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Jörg Schiekes Gedichte ziehen wie filmische Plots vorbei, in denen sich verblüffende Welten auftun, so alltagsnah wie surreal. Der Autor versteht sich aufs Groteske und Geheimnisvolle, spielt raffiniert mit Rückblicken in ostdeutsche Stimmungslagen. Mit feinen Verschiebungen adaptiert er Trends und lässt Lebens- und Arbeitssphären in einem sprachlich fulminanten Facettenreichtum aufgehen. Es gibt defekte Gäste-WLANs, Pizzakartons, mit denen man Frisbee spielt, und den berühmten Fahrradbär im Zirkus. Wer aber ist Silverman? Nicht fassbar, schillernd, silbrig und doch abgründig, er lacht, er kann uns das Passwort entziehen und besucht am Abend ein Kulturprogramm. Er ist das schönste Geschöpf seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Jörg Schieke bietet mit seinem Gedichtband eine feinsinnige Collage – oder lyrische Parodie? – unserer unheilen Welt. (aus der Verlagsvorschau; Buch erscheint im Januar 2024)

 

Aus dem Buch:

 

S., nicht zu verwechseln mit B., 

 

pflückt von den Mänteln die Knöpfe ab. Naschen

und Zoomen adé. Alles

rein in die Schachtel, das Schöne

 

als Dauerzustand. Geschmeidig 

wäre rassistisch, beweglich  

im Wortsinn zu schwach. So oft

 

eine Unbekannte auch X hieß, nie

kam sie wieder. Nie kam eine zurück

– zurück auf das Fensterbrett, an den Start,

 

zu den vor Durst toten Fliegen, 

den aus Furcht kleinen Leibern. Naschen

und Zoomen war gestern. Von den Mänteln

 

die Schnallen und Knöpfe ab. Aus dem Halbschuh

das Bändsel im Zickzack. Nie stand der Mond

so herb überm Fensterbrett wie in jener Nacht,

 

da Langeweile umschlug in Nieder-

tracht und Schüchternheit in schlechtes Benehmen. 

 

Silverman schickt mich

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