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Mit Antiphonia legt Jörg Schieke ein langes Gedicht vor, das lust- und kunstvoll einen Parforcerittdurch die Gegenwart und unmittelbare Vergangenheit zelebriert. Rein inhaltlich, wie man so sagt. Formal aber lässt es Formen auferstehen, die vergangen scheinen, aber zyklisch ihren Anspruch auf Gegenwärtigkeit geltend machen. Immer wieder findet das Epos seinen Weg zurück in den Vers, dem es letztlich entstammt und aus dem es erst in der bürgerlichen Epoche in den Roman floh.

 

Aus dem Buch:

...

Später möchte ich unbedingt einen festen Freund

und eine eigene Wohnung. Die beiden dürfen alles

miteinander treiben. Nur nicht die weißen Fliesen

durchbohren in meinem weißen Badezimmer – das dürfen

 

sie ausdrücklich nicht. Gründe sind Abgründe, und Heiner

hatte mir ein Antiphon mitgegeben. Das erste, das schon

von der Patina des Wieder-Natur-Gewordenen über-

spült war. Alte Musikinstrumente, selbst wenn sie

 

einfach so in der Gegend rumstehen, machen etwas

mit uns. Nicht nur mit uns; die ganze Landschaft

schweigt antiquarisch. Ich zum Beispiel, die ich seit

Tagen in diesem Waggon saß, begann von meinen Blusen

 

die Bündchen abzuschneiden, unten wie oben. ...

Antiphonia (Gebundene Ausgabe mit Umschlag)

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